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Literatur in Einfacher Sprache

Schon mal mit richtig Hunger von Einkaufen nach Hause gekommen? Und dann zwei Scheiben vom frischen Krustenbrot mit dick Butter bestrichen und ein bisschen Salz darauf gestreut? Gut, oder?

So funktioniert Literatur in Einfacher Sprache. Wortkunst konzentriert auf das Wesentliche. Klare Charaktere, stringenter Plot, kurze Sätze, bekannte Worte. Alles aufgeteilt in übersichtliche Abschnitte.

Einfache Sprache ist mehr als ein Hilfskonstrukt, obwohl sie als solches gedacht ist. Sie kommt da zum Einsatz, wo Menschen durch geringe Lesefähigkeit, ein niedrigeres Abstraktionsvermögen oder schlicht durch begrenzte Sprachkenntnisse auf Barrierelosigkeit angewiesen sind, um den Sinn von Texten zu erfassen.

Es gibt eine Reihe von Gebrauchs- und Informationstexten in Einfacher Sprache, doch Literatur in Einfacher Sprache ist etwas anderes, hier geht es um die Leselust und die Freude an der Wortkunst.

Die meisten Künste funktionieren barrierefrei. Musik kann unabhängig vom Intellekt genossen werden, Malerei ist intuitiv und international verständlich, selbst Theater bietet genug Impulse, um ein Stück genießen zu können, auch wenn nicht jede Zeile verstanden wird. Um die Literatur zu öffnen, müssen AutorInnen die Vorarbeit leisten, damit die LeserInnen die Chance auf Genuss haben - mitfließen können zwischen den Buchstaben, zwischen den Zeilen fühlen, dem Klang im Inneren nachlauschen. Es geht. 

Wissen Sie noch, wie es war, als sie lesen lernten? Also der Zustand, bevor Sie es wirklich konnten? Erinnern Sie sich an den Kampf mit den Silben und die Mühsamkeit, mit der Sie den Satzverlauf im Kopf behalten mussten? Wie gut, dass die Geschichten spannend waren, dass da ein Held und eine Heldin darauf warteten, weiter gelesen zu werden. Wird der Hund gerettet? Entkommt das Mädchen dem Monster? Das sind für Siebenjährige hochspannende Fragen. Wie ist es aber, wenn die Leserin das Kindesalter glücklich verlassen hat und weiß, dass Hunde manchmal sterben und es Monster nicht so richtig gibt? Dann lohnt die Geschichte die Mühe des Lesens nicht mehr. 

Erwachsene Leser brauchen zum Selberlesen keine Kindergeschichten, sie wollen Heldinnen und Helden, mit denen sie sich ein Stück vertraut fühlen können. Diesen Anspruch erfüllt die Literatur in Einfacher Sprache. Damit Lesen leicht ist und trotzdem voll. Einfache Sprache ist weder behindert noch amputiert und keine schlechtere Version echter Literatur. Sie folgt nur bestimmten Regeln. Und das war Kunst auch immer schon: die Grenzen eines definierten Raumes ausloten, den Rahmen füllen und (dann ist es tatsächlich Kunst): die Betrachterin vergessen lassen, dass es überhaupt Regeln gibt.