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Aus Donnerstag, lyrische Kurzprosa, veröffentlicht in der Menantes Anthologie "Die fünfte Dimension"

Donnerstag

Ein Zimmer. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Bett. Endlich ein Bett.

„Komm!“, willst Du sagen, aber Du sagst es nicht, Du küsst es in mich hinein. Mit Deinem Speichel glitzern die Worte in meinen Mund - „Komm, komm doch!“.

„Ja!“, will ich sagen, aber ich sage es nicht, ich atme es Dir entgegen, in den Kragen Deines Hemds. Die warme Luft flirrt über Deiner Haut, wir beide - eine Fata Morgana in der Wüste dieses Zimmers. 

Uns gibt es nicht, wir sind ein Trugbild, das verfliegt, wenn man sich uns nähert. Dann sieht man uns so, wie wir in der Wirklichkeit sind. Dich mit Deiner Frau und Deinem Sohn, der jetzt siebzehn ist, und mich mit meinen Töchtern, beide noch keine zehn.

„Endlich!“, willst Du sagen, aber Du sagst es nicht, Du streichst es mir mit Deiner Hand unter das Kleid. Deine Berührung lässt kleine Federn auf meinem Schulterblatt wachsen.

Uns gibt es, wir sind echt, man sieht uns nicht, aber wir können uns berühren, in der Wahrheit. Mein Schoss hat Dir kein Kind geboren, Deine Kraft muss mich nicht beschützen.

„Nimm mich“, will ich sagen, aber ich sage es nicht, ich zeige Dir meine Kehle. Dein Mund ist weich an meinem Puls und Deine Zähne sind fest, als Du die Stelle markierst.

So selten.

Mein Leben taktet sich in Seltenheiten. 

(...)